Weniger als 60 Tage existierte ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau in Landshut. Es wurde im Dezember 1944 auf einem Gelände neben der Neidenburger Straße errichtet. Um die 500 jüdische Männer wurden darin unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten, sie wurden zu Schwerstarbeit gezwungen, sie wurden von der SS misshandelt und 83 der Inhaftierten wurden in dieser kurzen Zeitspanne ermordet. Vor 80 Jahren, im Februar 1945, löste man das Lager aus ungeklärten Gründen wieder auf. Für die im Lager Inhaftierten war der Leidensweg nicht zu Ende, sie wurden in das Außenlager Mühldorf oder in das Stammlager Dachau gebracht.
An der Stelle des damaligen Massengrabes für die 83 Todesopfer auf dem Friedhof Achdorf befindet sich heute eine Gedenkeinheit. Im Rahmen einer von der Stadt Landshut organisierten Gedenkfeier anlässlich der Auflösung des Außenlagers vor 80 Jahren brachten dort fünf Schülerinnen und ein Schüler des Gymnasiums Ergolding in einer Rede zum Ausdruck, warum für sie das Gedenken so wichtig ist:
„Die im Außenlager Landshut inhaftierten Menschen waren Väter, Brüder, Söhne und Ehemänner. Sie hatten Hoffnungen, Wünsche, Träume, ein Leben – bis all das gewaltsam zerstört wurde. Sie lebten in ständiger Angst vor Hunger, Krankheiten und brutalen Misshandlungen durch ihre Peiniger. Viele von ihnen überlebten die Zwangsarbeit nicht und kannten in ihren letzten Momenten nur Leid. Die wenigen, die überlebten, wie z.B. Jacob Bresler, tragen die seelischen und körperlichen Narben für den Rest ihres Lebens. Wir stehen hier heute nicht nur, um zurückzublicken, sondern auch, um Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Das Erinnern an die Verbrechen der Vergangenheit ist keine Last, sondern eine Pflicht und eine Chance. Denn das Vergessen ist der erste Schritt zur Wiederholung.
Die Stimmen der Opfer mahnen uns. Sie erinnern uns daran, dass Unrecht nicht erst beginnt, wenn die Menschen in Lager deportiert werden. Nein, es beginnt viel früher: mit Vorurteilen, mit Hass, mit Gleichgültigkeit. Die Verfolgung der Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus begann nicht mit den Konzentrationslagern, sondern mit Worten, mit Gesetzen, mit gesellschaftlicher Ausgrenzung. Deshalb dürfen wir nicht schweigen, wenn heute wieder Antisemitismus und Hass aufkommen. Wir dürfen nicht wegsehen, wenn Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihres Glaubens diskriminiert werden. Erinnern heißt auch handeln – für eine Welt, in der Menschlichkeit und Gerechtigkeit siegen.“
Die jungen Erwachsenen stellten auch die Schicksale von Jacob Bresler, Hugo-Kurt und Ullrich Chotzen, Ernst Seinfeld sowie Isaak de Leeuw vor. Jacob Bresler hat den Holocaust überlebt. Aus seinem Buch „Du sollst nicht mehr Jacob heißen“ wurden Ausschnitte vorgetragen, mit denen zum Ausdruck kam, welchem menschenverachtenden Verhalten und schweren Misshandlungen durch die SS die 500 jüdischen Männer ausgesetzt waren. Den berührenden und würdigen Beitrag zu der Gedenkveranstaltung schloss eine Schülerin mit den folgenden Worten ab:
„Überlebende wie Jacob Bresler versuchen uns, trotz ihrer traumatischen Erlebnisse, ihre Erfahrungen so eindringlich wie möglich zu überliefern. Durch ihre Erzählungen und Aufzeichnungen wird die Erinnerung an die Opfer vor dem Vergessen bewahrt. Angesichts dieser grausamen Vergangenheit tragen wir die Verantwortung, an das Geschehene zu erinnern und all das, was wir darüber wissen, an kommende Generationen weiterzugeben. Jede persönliche Geschichte mahnt uns, entschlossen gegen Unrecht, Diskriminierung und Hass einzutreten.“

