Ritterlicher Besuch am Gymnasium Ergolding

Schülerinnen und Schüler erleben eine ganz besondere Geschichtsstunde

Gut gerüstet präsentierte Eberhard von Württemberg alias Michael Luger kürzlich in den Räumen des Gymnasiums Ergolding Schülerinnen und Schülern der 7.Jahrgangsstufe eine ganz besondere Unterrichtsstunde, in der sie Geschichte neu und hautnah erleben durften.

Michael Luger, einer von insgesamt zehn Turnierrittern der Landshuter Hochzeit, der im historischen Festspiel seit 1997 den Eberhard von Württemberg verkörpert, erzählte den Schülerinnen und Schülern anschaulich und spannend von seinen Aufgaben bei der Aufführung, von seiner Ausrüstung und vom Alltag eines adeligen Ritters im Spätmittelalter. Das Highlight für die Schüler war die nach historischen Quellen gefertigte Ritterrüstung, die er mit an die Schule gebracht hatte. Ein großer Dank geht dabei an den Verein „Die Förderer“, der dies ermöglicht hat.

Mit dieser nahezu originalgetreuen Nachbildung konnte Michael Luger den Siebtklässlern nicht nur die Bestandteile einer mittelalterlichen Turnierrüstung, des sogenannten Rennzeugs, genau erklären, sondern auch eine konkrete Vorstellung über deren Wert und die Funktion vermitteln. Für etwa 30 Ochsen, so Luger, hätte man im 15. Jahrhundert eine vergleichbare Rüstung erhalten. Welch beträchtliches Gewicht so eine Rüstung hatte und wie umständlich das Anlegen der einzelnen Teile war, durfte einer der Schüler am eigenen Leib erfahren. Wie dazumal wurde dem jungen Proberitter ein Unterkleid aus Leinen und eine lederne Hose übergezogen. Darüber kam dann die Rennbrust mit dem sogenannten Geschübe, das die Beine schützt. Auf die Rennbrust wurde dann die Tartsche geschraubt, die als Schild beziehungsweise Zielscheibe für den Gegner, dient. Spätestens nach dem Aufsetzen des Helms, dem Schaller, war es für den neuen ErgoGym-Ritter zu spüren und für jeden zu erkennen, dass eine Rüstung zwar vor Verletzungen schützen konnte, die Bewegungsfreiheit und Sicht aber erheblich eingeschränkt waren. Mit dem schmalen Schlitz im Helm nahm man nur noch einen kleinen Ausschnitt der Umgebung wahr. Alles in allem war jetzt klar, dass ein Ritter in jedem Fall Hilfe brauchte, um auf sein Pferd zu steigen. Immerhin bringt die komplette Rüstung mit Lanze 52 kg auf die Waage.

Zur Ausrüstung des Turnierritters gehörte auch die Lanze aus Holz. Michael Luger informierte, dass für die Landshuter Hochzeit spezielle Lanzen angefertigt werden, einerseits stabil genug, um beim Galoppieren nicht allein durch Schwingungen zu brechen, andererseits bestehe damit in der Regel aber auch keine große Verletzungsgefahr beim Lanzenstechen. Auch auf die Herausforderungen für Ross und Reiter ging Michael Luger ein und legte dar, welch langer Vorbereitungszeit und welchen Mutes wie Geschickes es bedarf, damit das Galoppieren „über die Planken“ gelingen und die Lanze am Gegner gebrochen werden kann. Als neuzeitlicher Turnierritter weiß er manche Geschichten zu erzählen von kleineren, nicht allzu ernsthaften Verletzungen, von überraschendem Verhalten der Pferde, die trotz einwandfreier Trainingsritte im Turnier plötzlich stehen geblieben sind oder gar das Weite gesucht haben. Doch meistens gelinge das Turnier mit ein paar schönen Stichen, ergänzt Luger, und so ging auch Eberhard von Württemberg schon mal als Sieger daraus hervor und durfte das Buchskränzchen aus der Hand der Braut stolz entgegennehmen.

Am Ende dieses anschaulichen und kurzweiligen Vortrags bedankten sich Schüler und Lehrer bei dem hohen Besuch. In Briefen an Eberhard von Württemberg, die die Schüler in den nachfolgenden Tagen formulierten, gaben sie ihrer Wertschätzung für die besondere Geschichtsstunde Ausdruck. Dabei betonten sie, dass ihnen auf diese Weise ein sehr interessanter und authentischer Einblick in das Ritterturnier der Landshuter Hochzeit von 1475 ermöglicht worden war. „Wir haben so viel mehr über die Landshuter Hochzeit erfahren“, stellten einige der Schüler fest, „Ich weiß nun viel besser, wie es hinter den Kulissen der Landshuter Hochzeit aussieht“, bemerkte einer der Siebtklässler und ein anderer kommentierte: „Es war sehr cool, dass wir auch einiges ausprobieren durften.“ Besonders aber haben die Schüler die vielen kleinen Geschichten fasziniert, die Michael Luger den jungen Menschen so spannend erzählen konnte.

Adelheid Fischer, OStR

Bildmaterial: Michel Luger erklärt die nach historischen Quellen gefertigte Ritterrüstung