Eberhard von Württemberg zu Besuch am Gymnasium Ergolding

Eberhard von Württemberg gab sich als früher Gast der Landshuter Hochzeit bereits am 22. Februar 2017 die Ehre und besuchte die Schüler und Schülerinnen der 7. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Ergolding in ihrem Geschichtsunterricht, um ihnen einen Einblick in das Leben eines Turnierritters zu geben.

Michael Luger, der im historischen Festspiel seit 1997 eben jenen Eberhard von Württemberg verkörpert, erzählte anschaulich über seine Aufgaben bei der Aufführung, seine Ausrüstung und den Alltag eines adeligen Ritters des 15. Jahrhunderts und stellte sich geduldig den zahlreichen Fragen der Schüler. Besonderes Interesse weckte seine Rüstung, die er natürlich mit an die Schule brachte und den Schülern genau erklärte. Sie sollte damals wie auch heute bei den Ritterspielen der Landshuter Hochzeit den Ritter vor Verletzungen im Kampf schützen und war ein HighTec Sportgerät des ausgehenden Mittelalters, das beachtliche 52 kg an Gewicht auf die Waage bringt. Dabei handelt es sich um eine möglichst originalgetreue Nachbildung einer mittelalterlichen Kampfausstattung, die mit viel Aufwand anhand historischer Quellen angefertigt wird. Wie schwer diese letztlich ist, bekam ein Schüler am eigenen Leib zu spüren, der sich im Klassenzimmer rüsten durfte. Dazu musste sich, wer ein echter Ritter sein wollte, zunächst ein Unterkleid aus Leinen, ein Kettenhemd und eine lederne Hose anlegen lassen. Darüber kam dann der Brustpanzer, der auch Harnisch genannt wird. Arme und Beine wurden durch spezielle Schienen geschützt, der Kopf durch den Helm, den sogenannten Schaller. Schnell wurde den Schülern klar, dass solch eine Rüstung zwar vor Verwundungen schützen konnte, die Bewegungsfreiheit aber erheblich einschränkte und der schmale Schlitz des Visiers nur ein begrenztes Sehfeld bot. Dass ein Ritter in jedem Fall Hilfe brauchte, um auf sein Pferd zu steigen, konnte jeder sofort verstehen und besonders der neue Ritter aus der 7. Klasse nachvollziehen. Zur Ausrüstung des Turnierritters gehörte auch die Lanze aus Holz. Für die Landshuter Hochzeit wird eine spezielle Lanze angefertigt, die stabil genug ist, um beim Galoppieren nicht allein durch die Schwingung zu brechen, dennoch aber auch keine echte Verletzungsgefahr beim Lanzenstechen darstellt. Allein solch eine Lanze kostet dem Verein der Förderer ca. 180 €.

Eberhard von Württemberg alias Michael Luger ist einer von insgesamt zehn Turnierrittern der Landshuter Hochzeit und er freut sich schon darauf, bei der diesjährigen Aufführung das Ritterturnier am Sonntagnachmittag bestreiten zu dürfen. Das fordert Mut, Geschick und lange Vorbereitung. Geeignete Pferde müssen ausgewählt und für das Lanzenstechen trainiert werden, was eine besondere Herausforderung für Ross und Reiter darstellt. Manch ein Pferd hat in der Vergangenheit die Gefahr erkannt und ist während des Turniers, obwohl es bei den Trainingsritten noch einwandfrei gegangen ist, plötzlich stehen geblieben oder hat kehrt gemacht und suchte das Weite. Doch meistens gelang das Galoppieren entlang der Planken mit dem Ziel die gegnerische Lanze zu brechen und so ging auch Eberhard von Württemberg schon als Sieger aus dem Turnier hervor und durfte das Buchskränzchen der Braut stolz entgegennehmen.

Am Ende bedankten sich die Schüler und Schülerinnen für den Besuch von Michael Luger und versprachen beim Umzug durch die Stadt nach dem Ritter mit dem württembergerischen Wappen Ausschau zu halten und ihm ein besonders lautes „HALLLOOO“ entgegenzurufen. „Da muss ich euch aber enttäuschen“, verriet Michael Luger, „Ich werde im Umzug nämlich gedoubelt. Während alle anderen Kostümierten durch die Alt- und Neustadt ziehen, bereite ich mich auf der Wiesmahd, also der Turnierwiese, zusammen mit den anderen Rittern auf unseren Wettkampf vor.“ Am Ende dieser besonderen Geschichtsstunde bedankten sich Schüler und Lehrer noch einmal bei dem hohen Besuch und wünschten ihm, dass er verletzungsfrei viele Buchskränzchen einholen kann.

Fachschaft Geschichte